Lesezeit: 4 Minuten | Dr. Sebastian Fiedler
Ein abgebrochener Zahn kommt meist unerwartet.
Beim Essen, beim Sport oder durch einen Sturz – und plötzlich spürt man eine scharfe Kante im Mund. Jetzt gilt es, Ruhe zu bewahren und richtig zu reagieren. Mit der passenden Behandlung lässt sich ein abgebrochener Zahn in vielen Fällen vollständig erhalten.
Das Wichtigste in Kürze zum Thema abgebrochener Zahn
- Ein abgebrochener Zahn ist immer ein Notfall und sollte sofort behandelt werden.
- Zahnrest aufbewahren – am besten in H-Milch, Kochsalzlösung oder einer Zahnrettungsbox.
- Nicht austrocknen lassen und nicht selbst reinigen.
- Je schneller die Behandlung erfolgt, desto besser sind die Heilungschancen.
- In vielen Fällen kann der Zahn rekonstruiert oder komplett erhalten werden.
Wie kann ein Zahn abbrechen?
Ein Zahn ist zwar sehr hart, aber nicht unverwundbar. Wenn der schützende Zahnschmelz geschwächt ist oder zu große Kräfte auf den Zahn wirken, kann es zu Rissen oder Brüchen kommen. Die Ursachen sind vielfältig – und oft wirken mehrere Faktoren zusammen.
1. Karies und geschwächte Zahnsubstanz
Karies zerstört den Zahnschmelz von innen heraus. Wird sie nicht rechtzeitig behandelt, verliert der Zahn an Stabilität. Schon ein fester Biss auf ein Stück Brot oder eine Nuss kann dann genügen, um ihn abbrechen zu lassen.
2. Stöße und Unfälle
Ein Sturz, ein Schlag beim Sport oder ein unglücklicher Zusammenprall – solche plötzlichen Krafteinwirkungen sind häufige Auslöser. Besonders gefährdet sind Frontzähne, da sie beim Sprechen und Lächeln am weitesten hervortreten.
3. Zähneknirschen und Pressen
Wer nachts mit den Zähnen knirscht, setzt sie dauerhaft hohem Druck aus. Im Laufe der Zeit entstehen Mikrorisse, die die Zahnstruktur schwächen und schließlich zu einem Bruch führen können.
4. Altersbedingter Verschleiß
Mit zunehmendem Alter wird der Zahnschmelz dünner und spröder. Ältere Menschen erleben daher häufiger kleine Absplitterungen oder Risse – besonders, wenn alte Füllungen oder Wurzelbehandlungen den Zahn zusätzlich belasten.
5. Überbelastung beim Putzen
Zu starker Druck beim Zähneputzen kann den Zahnschmelz abtragen. Fehlt dieser natürliche Schutz, reagieren die Zähne empfindlicher und sind anfälliger für Schäden.
6. Gefüllte oder wurzelbehandelte Zähne
Zähne, die bereits behandelt wurden, können spröder werden. Nach einer Wurzelbehandlung fehlt ihnen die innere Feuchtigkeitsversorgung, was das Risiko eines Bruchs erhöht. Eine schützende Krone kann dem vorbeugen.
7. Hormonelle Veränderungen und besondere Lebensphasen
Während Schwangerschaft oder hormoneller Umstellungen verändert sich häufig die Zusammensetzung des Speichels. Dadurch kann sich das Risiko für Zahnerkrankungen und Brüchigkeit erhöhen – regelmäßige Kontrolle ist hier besonders wichtig.
Erste Hilfe bei einem abgebrochenen Zahn
Wenn ein Zahn abbricht, zählt jede Minute. Mit den richtigen Schritten lässt sich der Schaden oft begrenzen:
- Zahnrest aufbewahren:
Das abgebrochene Stück in H-Milch, Kochsalzlösung oder einer Zahnrettungsbox aufbewahren. Nicht trocknen lassen und nicht säubern. - Mund ausspülen:
Mit lauwarmem Wasser den Mund vorsichtig reinigen, um Blut oder Schmutz zu entfernen. - Blutung stillen:
Bei Bedarf mit einem sauberen Tuch leicht auf die Stelle drücken. - Kühlen:
Von außen sanft kühlen, um Schwellung und Schmerzen zu lindern. - Zahnarzttermin – sofort:
Ein abgebrochener Zahn ist immer ein akuter Fall. Je schneller die Behandlung erfolgt, desto größer ist die Chance, den Zahn zu erhalten.
Wie wir in unserer Praxis vorgehen
In unserer Praxis im Zentrum von München beurteilen wir zunächst, wie tief der Bruch ist und ob der Zahnnerv betroffen ist.
Dafür nutzen wir digitale Röntgendiagnostik und mikroskopische Untersuchung. Auf dieser Grundlage wählen wir die passende Therapie.
Mögliche Behandlungen:
- Kleine Absplitterung:
Der Zahn wird mit einem hochwertigen Kompositmaterial ästhetisch und funktionell wieder aufgebaut – meist in einer Sitzung. - Größerer Bruch:
Je nach Defekt rekonstruieren wir den Zahn mit einer Teilkrone oder Krone, präzise gefertigt. - Bruch mit Nervbeteiligung:
Hier ist häufig eine Wurzelkanalbehandlung notwendig. Wir führen diese unter dem Mikroskop durch, um den Zahn so schonend wie möglich zu erhalten. - Zahn ausgeschlagen:
Wenn der Zahn vollständig herausgeschlagen wurde, kann er bei richtiger Aufbewahrung und schneller Reaktion oft wieder eingesetzt werden.
Ablauf in unserer Praxis in München-Zentrum
Damit Ihre Behandlung reibungslos und erfolgreich verläuft, gehen wir in mehreren Schritten vor:
- Untersuchung & Befundaufnahme
Nach einer genauen Untersuchung und Bildgebung klären wir, welche Strukturen betroffen sind und ob der Zahn vital ist. - Beratung & Behandlungsplan
Wir erläutern Ihnen die möglichen Optionen – von der einfachen Rekonstruktion bis zur mikroskopischen Endodontie – und empfehlen die langfristig beste Lösung. - Behandlung mit moderner Technik
Je nach Situation erfolgt die Versorgung noch am selben Tag. Wir arbeiten mit Mikroskop, digitalem Röntgen und hochästhetischen Materialien für ein natürliches Ergebnis. - Kontrolle & Nachsorge
Nach der Erstbehandlung überprüfen wir regelmäßig den Heilungsverlauf und die Stabilität des Zahns. Bei Bedarf fertigen wir eine Schutzschiene, um zukünftige Schäden zu vermeiden.
Schnelles Handeln bei einem abgebrochenen Zahn ist entscheidend
Ein offener Bruch bietet Bakterien eine Eintrittspforte ins Zahninnere.
Wird der Zahn nicht rasch versorgt, kann sich das Gewebe entzünden und der Zahn verloren gehen. Eine schnelle Behandlung schützt also nicht nur das Aussehen, sondern vor allem die Gesundheit und Funktion des Zahns.
So beugen Sie Zahnbrüchen vor
- Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen
- Professionelle Zahnreinigung zur Kariesprävention
- Individueller Sportmundschutz bei Kontaktsportarten
- Knirscherschiene bei starkem Pressen oder Knirschen
- Vorsicht bei sehr harten Lebensmitteln
- Frühzeitige Behandlung kleiner Defekte oder Risse
Häufige Fragen zum Thema „Zahn abgebrochen“
Ist ein halber Zahn, der abgebrochen ist, noch zu retten?
Ja, häufig schon. Entscheidend ist, wie tief der Bruch reicht. Wenn der Zahnnerv unverletzt ist, kann der Zahn mit Komposit oder einer Teilkrone wieder aufgebaut werden. Selbst bei größeren Defekten lässt sich der Zahn oft durch eine Wurzelbehandlung und anschließende Rekonstruktion erhalten.
Was passiert, wenn ein abgebrochener Zahn nicht behandelt wird?
Offene Bruchstellen sind anfällig für Bakterien. Wird nicht rechtzeitig behandelt, kann sich das Zahninnere entzünden – mit Schmerzen, Schwellung und möglichem Zahnverlust als Folge. Auch kleine Absplitterungen sollten daher kontrolliert werden.
Wann sollte ich nach dem Zahnbruch zum Zahnarzt?
Am besten sofort. Je früher der Zahnarzt den Zahn sieht, desto größer ist die Chance, ihn zu retten – besonders, wenn ein größeres Stück fehlt oder Schmerzen auftreten.

