Lesezeit: 7 Minuten | Dr. Sebastian Fiedler
Typische Symptome, Warnsignale und wann Sie zum Zahnarzt sollten
Eine entzündete Zahnwurzel zeigt sich nicht immer sofort. Beschwerden können leicht beginnen, plötzlich auftreten oder völlig ausbleiben. Viele Patienten suchen erst Hilfe, wenn der Schmerz kaum noch auszuhalten ist – dabei lässt sich eine Wurzelentzündung oft deutlich früher erkennen.
Dr. Sebastian Fiedler erklärt, welche Anzeichen typisch sind und wann eine Abklärung sinnvoll wird.
Das Wichtigste in Kürze – Symptome einer entzündeten Zahnwurzel
- Aufbissschmerz, Druckgefühl oder pochende Schmerzen sind klassische Warnsignale.
- Hitze- oder Kälteempfindlichkeit kann früh auf eine Reizung hinweisen.
- Schwellungen und ein Gefühl, dass sich der Zahn „länger“ anfühlt, sprechen für eine fortgeschrittene Entzündung.
- Zähne mit abgestorbenem Nerv verfärben sich häufig dunkel.
- Manche Wurzelentzündungen verlaufen zunächst ohne Schmerzen und werden erst im Röntgen sichtbar.
Häufige Symptome einer Zahnwurzelentzündung
1. Druck- oder Aufbissschmerzen
Wenn ein Zahn beim Kauen plötzlich empfindlich reagiert oder dumpf schmerzt, steckt oft eine beginnende Zahnwurzelentzündung dahinter. Viele Patienten berichten davon, dass es sich „irgendwie falsch“ oder „zu hoch“ anfühlt.
2. Empfindlichkeit bei Kälte und Hitze
Kurze Reaktionen sind normal – aber längere, ziehende Schmerzen weisen auf eine Reizung des Nervs hin.
Ist Hitzeempfindlichkeit stärker als Kälteempfindlichkeit, ist das ein besonders typisches Zeichen.
3. Pochender oder pulsierender Schmerz
Ein klassisches Symptom, das nachts im Liegen sogar stärker werden kann. Die Durchblutung steigt, der Druck im Zahn nimmt zu – die Schmerzen werden deutlicher wahrnehmbar.
4. Schwellung im Kiefer oder Druckgefühl
Wenn sich die Entzündung bereits über die Wurzelspitze hinaus ausbreitet, reagiert das umliegende Gewebe:
- Druck im Kiefer
- leichte bis moderate Schwellung
- Berührungsempfindlichkeit
- das Gefühl, der Zahn sei „zu lang“
In dieser Phase ist schnelle Behandlung entscheidend.
5. Zahnverfärbung
Wird das Zahnmark nicht mehr versorgt, kann der Zahn langsam dunkler werden – grau, gelblich oder bräunlich. Diese Verfärbung ist ein Hinweis auf einen abgestorbenen Nerv.
6. Zahnwurzelentzündung ohne Schmerzen
Einige Entzündungen entwickeln sich völlig unbemerkt.
Im Röntgenbild zeigt sich dann ein dunkler Bereich an der Wurzelspitze – ein typisches Merkmal einer chronischen Entzündung.
Warum eine frühe Diagnose so wichtig ist
Eine unbehandelte Wurzelentzündung breitet sich weiter aus – oft in den Knochen.
Je früher die Behandlung beginnt, desto höher die Chance, den Zahn langfristig zu erhalten.
Mit moderner Endodontie unter dem Operationsmikroskop können selbst komplexe Fälle erfolgreich therapiert werden.
Wie der Zahnarzt eine entzündete Zahnwurzel diagnostiziert
Diagnosemethoden bei Verdacht auf Wurzelentzündung
- Kälte- und Wärmetests
- Klopftest
- Röntgenbild (2D)
- bei Bedarf: 3D-Volumentomografie (DVT) für genaue Analyse komplexer Wurzeln
Diese Kombination liefert ein klares Bild über Zustand und Entzündungsausmaß.
FAQ: Häufige Fragen zur entzündeten Zahnwurzel
Kann eine Wurzelentzündung von selbst heilen?
Nein. Das Zahnmark regeneriert sich nicht. Ohne Behandlung verschlimmert sich die Entzündung – manchmal schleichend, manchmal akut.
Wie fühlen sich Schmerzen bei einer Zahnwurzelentzündung an?
Typisch sind ein dumpfer Druck, pochendes Ziehen, Hitzeempfindlichkeit oder Schmerzen beim Kauen. Manchmal bleibt der Zahn komplett schmerzfrei.
Muss ein entzündeter Zahn gezogen werden?
In den meisten Fällen nicht. Eine moderne Wurzelbehandlung kann den Zahn retten – oft viele Jahre oder Jahrzehnte.
Warum verfärbt sich ein Zahn bei einer Entzündung?
Abgestorbenes Gewebe verändert die Zahnfarbe. Diese Veränderung ist ein Hinweis darauf, dass der Nerv nicht mehr vital ist.
Fazit
Eine entzündete Zahnwurzel zeigt unterschiedliche, aber meist deutliche Warnsignale. Je früher sie erkannt und behandelt wird, desto höher ist die Chance, den Zahn langfristig zu erhalten.
Moderne Endodontie – vor allem unter dem Operationsmikroskop – ermöglicht heute eine besonders präzise und schonende Behandlung, selbst bei komplexen Fällen.

