Lesezeit: 4 Minuten | Dr. Sebastian Fiedler
Viele Menschen starten ihre Mundhygiene ganz automatisch mit der Zahnbürste. Danach vielleicht noch etwas Zahnseide und am Ende eine Mundspülung – diese Reihenfolge wirkt auf den ersten Blick logisch. In der Praxis zeigt sich jedoch etwas anderes: Die Zahnseide gehört an den Anfang der Routine.
Dr. Sebastian Fiedler erklärt seinen Patientinnen und Patienten regelmäßig, warum die richtige Reihenfolge so wichtig ist – und weshalb der Zeitpunkt einen spürbaren Unterschied macht.
Das Wichtigste in Kürze
- Zahnseide vor dem Zähneputzen anwenden, damit Fluorid ungehindert in die gereinigten Zwischenräume gelangt.
- Nach dem Putzen entfernte Reste profitieren nicht mehr vom Fluorid der Zahnpasta.
- Engstehende Zähne → Zahnseide.
- Größere Zwischenräume, Implantate oder Retainer → Interdentalbürstchen.
- Entscheidend ist die tägliche Anwendung – nicht der Zeitpunkt am Tag.
Warum die Reihenfolge einen Unterschied macht
Die meisten Beläge sitzen dort, wo die Zahnbürste kaum hinkommt: zwischen den Zähnen. Wer zuerst Zahnseide verwendet, befreit diese Bereiche von Speiseresten und Biofilm. Beim anschließenden Putzen kann das Fluorid aus der Zahnpasta dann genau dorthin gelangen, wo es besonders gebraucht wird.
Dr. Fiedler beschreibt es oft so:
„Die Zahnseide öffnet den Weg. Erst wenn die Zwischenräume sauber sind, hat das Fluorid freie Bahn.“
Wird hingegen erst geputzt und anschließend Zahnseide benutzt, lösen sich Reste, die danach gar nicht mehr vollständig vom Fluorid erreicht werden. Die schützende Wirkung geht an diesen Stellen verloren.
Zahnseide oder Interdentalbürstchen?
Nicht jede Zahnsituation ist gleich – deshalb gibt es unterschiedliche Hilfsmittel für die Reinigung der Zwischenräume.
Zahnseide eignet sich besonders gut, wenn die Zähne eng aneinanderstehen. Sie gleitet zwischen die Kontaktpunkte und entfernt Beläge, die man mit der Bürste schlicht nicht erreicht.
Interdentalbürstchen sind dagegen ideal für etwas größere Abstände. Sie reinigen kräftiger und passen sich besser an, wenn das Zahnfleisch leicht zurückgegangen ist oder Implantate, Brücken und Retainer vorhanden sind.
Viele Patientinnen und Patienten verwenden eine Mischung aus beiden – je nachdem, wie viel Platz zwischen den einzelnen Zähnen vorhanden ist.
Wie oft sollte man Zahnseide verwenden?
Einmal täglich ist ideal. Ob morgens oder abends spielt keine große Rolle – wichtig ist die Regelmäßigkeit.
Wer die Zahnseide zur Gewohnheit macht, bemerkt schnell, wie sauber und glatt sich die Zähne danach anfühlen. Dieses Gefühl ist oft der beste Antrieb, dranzubleiben.
Häufige Fragen (FAQ)
Sollte man Zahnseide jeden Tag verwenden?
Ja. In den Zwischenräumen entstehen Plaque und Entzündungen besonders häufig. Eine tägliche Reinigung hilft, diese Probleme zu vermeiden.
Was ist besser – Zahnseide oder Interdentalbürstchen?
Das hängt vom Platz zwischen den Zähnen ab. Enge Stellen benötigen Zahnseide, bei größeren Abständen reinigen Bürstchen effizienter. Oft ist eine Kombination sinnvoll.
Zahnseide vor oder nach dem Putzen?
Immer vorher. Nur dann kann das Fluorid aus der Zahnpasta ungehindert wirken.
Kann Zahnseide dem Zahnfleisch schaden?
Bei richtiger Anwendung nicht. Leichtes Bluten zu Beginn ist meist ein Hinweis auf Entzündungen – nicht auf falsche Technik. Mit regelmäßiger Pflege verschwindet das nach kurzer Zeit.
Fazit
Zahnseide ist kein optionaler Zusatz, sondern ein wichtiger Teil einer guten Mundhygiene.
Wer die Zwischenräume zuerst reinigt und anschließend gründlich putzt, nutzt die schützende Wirkung der Zahnpasta optimal aus. Die richtige Reihenfolge ist ein kleiner Schritt – aber einer, der langfristig einen großen Unterschied macht.

